Verwirrt Englisch mein Kind, wenn es noch nicht richtig Deutsch spricht? Was wirklich passiert und was hilft

Warum Englisch dem Deutsch deines Kindes nichts wegnimmt, was hinter dem Mischen steckt und wie du die Familie mit ins Boot holst.

Von Max · · 6 Min. Lesezeit

Der Satz fällt oft beim Sonntagskaffee. Dein Kind zeigt auf den Hund im Garten und ruft „dog!“, und Oma runzelt die Stirn: „Lasst das Kind doch erst mal richtig Deutsch lernen. Das verwirrt es nur.“ Und plötzlich fragst du dich, ob sie recht hat.

Hier erfährst du, was im Kopf eines Kindes passiert, das zwei Sprachen hört, warum Mischen kein Warnsignal ist, was an „erst Deutsch, dann Englisch“ dran ist, wie du mit Bedenken in der Familie umgehst und wie Englisch im Alltag Platz findet, ohne dem Deutsch etwas wegzunehmen.

Verwirrt Englisch ein Kind, das noch nicht richtig Deutsch spricht?

Englisch verwirrt dein Kind nicht. Kinder sind darauf eingestellt, mehrere Sprachen auseinanderzuhalten: Sie hören genau hin, wer wie spricht, und merken sich, welche Wörter zu welchem Menschen und zu welcher Situation gehören. Ein Kind, das mit Mama Deutsch spricht und in einer kurzen Lektion englische Wörter hört, sortiert das so selbstverständlich wie die Regel, dass man in der Kita Hausschuhe trägt und zu Hause nicht.

Was Erwachsene für Verwirrung halten, ist fast immer etwas anderes: ein Kind, das für seine Botschaft jedes Wort nimmt, das gerade griffbereit ist.

Warum dein Kind Deutsch und Englisch mischt

„Ich will den blue Becher!“ Solche Sätze klingen nach Durcheinander und sind doch ein gutes Zeichen. Vielleicht kennt dein Kind das deutsche Wort noch nicht, vielleicht ist ihm das englische schneller eingefallen. Es will etwas sagen und nimmt dafür alles, was es hat. Zweisprachige Erwachsene machen das übrigens ständig.

Mit der Zeit lernt dein Kind, wann welche Sprache passt. Du hilfst dabei am besten, ohne zu korrigieren: Antworte auf den Inhalt und gib den Satz in einer Sprache zurück. „Den blauen Becher? Hier ist er.“ So hört dein Kind das deutsche Vorbild, und das Gespräch bleibt freundlich.

„Erst Deutsch, dann Englisch“: Was ist dran?

Der Rat klingt vernünftig, geht aber an der Sache vorbei. Eine Sprache muss nicht „fertig“ sein, bevor die nächste dazukommt. Deutsch wird nicht schwächer, weil Englisch dazukommt. Stark wird es durch Gespräche, Geschichten und Spiele auf Deutsch, und davon hat ein Kind in einer deutschsprachigen Familie jeden Tag reichlich.

Wichtiger als die Reihenfolge ist die Verteilung: Deutsch bekommt den größten Teil des Tages, Englisch einen kleinen, festen Platz. Wer es so einrichtet, muss sich um das Deutsch keine Sorgen machen.

Wenn Oma oder der Kinderarzt Bedenken haben

Kritik aus der Familie trifft, weil sie von Menschen kommt, die dein Kind lieben. Nimm die Sorge ernst und erkläre deinen Plan in einem Satz: „Deutsch bleibt unsere Sprache, Englisch ist ein kurzes Spiel am Tag.“ Das beruhigt mehr als jede Grundsatzdiskussion. Lade Oma ruhig ein mitzumachen: Großeltern, die ein englisches Wort mitlernen und es beim nächsten Besuch stolz benutzen, werden oft die größten Fans.

Fragt der Kinderarzt bei der U-Untersuchung nach der Sprache, erzähl offen von beiden Sprachen und zähle die Wörter zusammen, die dein Kind auf Deutsch und auf Englisch sagt. Wenn dein Kind insgesamt wenig spricht, wenig versteht oder kaum Kontakt sucht, lass die Sprachentwicklung abklären. Das liegt dann nicht am Englisch, und eine Sprache wegzulassen ist keine Lösung.

So bekommt Englisch einen festen Platz im Alltag

Englisch braucht keine Stunde am Tag. Es braucht einen festen Moment, wenige neue Wörter und viele Wiederholungen im Spiel. Ein englisches Lied beim Zähneputzen, „more?“ beim Abendbrot, ein Bilderbuch mit Tieren, deren englische Namen ihr gemeinsam sagt: Solche Wörter bleiben, weil sie an Momenten hängen, die dein Kind jeden Tag erlebt.

Wie ihr als Familie eure Sprachen aufteilt, ob nach Person, Ort oder Tageszeit, erklärt unser Ratgeber Kinder zweisprachig erziehen Schritt für Schritt.

Wenn du dir dafür eine fertige Routine wünschst: Tatako ist eine App für erste englische Wörter für Kinder, die mit zwei Sprachen aufwachsen, gemacht für Eltern und Kind, die die Lektion gemeinsam machen, Seite an Seite. Dein Kind lernt Englisch. Hinweise, Menüs und jeder Schritt der Begleitung sind in eurer Familiensprache. Eine Lektion dauert etwa fünf Minuten und hat nichts zum Lesen: Dein Kind hört jedes Wort dreimal und spricht es in der Pause nach, tippt das richtige von zwei Bildern an und sagt das Wort dann selbst, bevor die App es sagt. Danach hältst du fest, wie jedes Wort lief: Neu, Öfter üben, Versteht es oder Sagt es. Tatako läuft im Web, auf Apple und auf Android: auf iPhone und iPad, auf Android-Handys und -Tablets und im Browser auf jedem Computer.

Heute ausprobieren

  • Wähle drei Wörter, die heute sowieso vorkommen, etwa cup, shoe und dog, und sag sie im passenden Moment auf Englisch.
  • Schreib eine Woche lang auf, welche Wörter dein Kind auf Deutsch und welche auf Englisch sagt, und zähl beide Spalten zusammen.
  • Lade Oma beim nächsten Besuch zu einer gemeinsamen Lektion ein.

Fragen von Eltern

Spricht mein Kind später, weil wir zu Hause Englisch üben?

Kinder, die zwei Sprachen hören, sagen ihre ersten Wörter im selben Zeitraum wie Kinder mit einer Sprache. In jeder einzelnen Sprache kennen sie anfangs manchmal weniger Wörter, zusammengezählt aber genauso viele. Ein paar Minuten Englisch am Tag verschieben das Sprechen nicht.

Sollen wir mit Englisch pausieren, bis Deutsch sitzt?

Eine Pause bringt dem Deutsch nichts, und dein Kind vergisst die englischen Wörter, die es schon kennt. Halte das Englisch klein und fröhlich und gib dem Deutsch viel Gesprächszeit, dann wachsen beide Sprachen.

Bringt es überhaupt etwas, wenn wir nur ein bisschen Englisch machen?

Wenig, aber regelmäßig ist für den Anfang genau die richtige Menge. Ein Kind, das jeden Tag dieselben Wörter in kurzen Spielen hört, erkennt sie schnell wieder und traut sich irgendwann, sie selbst zu sagen. Jedes verstandene Wort zählt, auch wenn es noch nicht gesprochen wird.

Ist Englisch neben Mundart und Hochdeutsch zu viel?

In der Schweiz, in Österreich und in vielen Regionen Deutschlands wachsen Kinder ohnehin mit Mundart und Hochdeutsch auf und meistern das gut. Ein paar englische Wörter am Tag kommen ohne Weiteres dazu, vor allem wenn jede Sprachform ihre eigene Situation hat.

Was mache ich, wenn mein Kind auf Englisch nicht antworten will?

Lass es zuhören. Viele Kinder verstehen eine neue Sprache lange, bevor sie sie sprechen, und genau diese stille Phase legt den Grundstein. Druck verlängert sie eher, Spiele und Lieder machen das Sprechen leichter.

Muss ich selbst gut Englisch sprechen?

Dein Schulenglisch reicht für die ersten Wörter. Wichtiger als ein perfekter Akzent ist, dass du dabei bist und dich mitfreust, und für eine klare Aussprache sorgt die Stimme der Lektion.

Englisch nimmt deinem Kind kein Deutsch weg. Es bekommt einen kleinen, festen Platz neben der Sprache, in der ihr lebt, lacht und streitet. Wenn ihr dafür ein paar ruhige Minuten zu zweit wollt, startet zusammen eine Tatako-Lektion.

Heute fünf Minuten Englisch?

Setz dich zu deinem Kind: Tatako sagt jedes Wort, wartet auf seine Antwort und freut sich mit, wenn es das Wort sagt. Mit Google anmelden und loslegen.

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